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Michelangelos David mit Hundepfote als Titelbild für Artikel über besondere Fähigkeiten von Tieren

Von wegen Krone der Schöpfung: Tiere können viele Dinge besser als Menschen

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26. September 2020

Der Mensch hat eine einzigartige Kombination von Eigenschaften entwickelt, die ihn in eine Sonderrolle versetzt. Denn er ist die einzige Spezies, die sich so entwickelt hat, dass sie die ganze Welt und auch ganze Nahrungsketten umgestalten kann. Dabei ist der Mensch im Hinblick auf seine körperlichen Fähigkeiten eigentlich nur Mittelmaß. In so gut wie jedem Bereich finden sich Tiere, die das deutlich besser als Menschen können. Manche dieser Fähigkeiten sind in der Tierwelt so weit entwickelt, dass selbst unsere technischen Gadgets diese bis heute noch nicht adäquat nachahmen können.

Spitze der Evolutionspyramide? Krone der Schöpfung?

Wer im Biologieunterricht aufgepasst hat, dem ist nicht entgangen, dass Menschen nicht unverbunden über der Tierwelt thronen, sondern per Definition selbst Tiere sind. Wie alle anderen Arten ist der Mensch evolutionär aus seinen Vorfahren entstanden. Davon zeugt unter anderem, dass unser Erbgut zu mehr als 99 Prozent mit dem Erbgut mancher Affenarten übereinstimmt. Dennoch sieht sich der Mensch häufig einsam an der Spitze der Evolutionspyramide – oder mit dem Weltbild früherer Jahrhunderte: als Krone der Schöpfung – und alle anderen Tiere hierarchisch unter sich. 

Infografik, die den Menschen an der Spitze der Evolutionspyramide unter vielen anderen Tieren zeigt

 

Aus diesem Selbstbild leiten viele Menschen ganz selbstverständlich ab, dass Menschenrechte etwas völlig verschiedenes sind als Tierrechte. Und dass sich der Mensch Tiere ganz ungeniert zu Nutze machen kann – als Nahrungsmittel, als Testobjekt, als Rohstoff für Kleidung, als Attraktion für die Unterhaltungsindustrie. Dabei wird in der Wissenschaft immer deutlicher, dass der Unterschied zwischen Menschen und anderen Tieren eher graduell als prinzipiell ist.

Tatsächlich gibt es viele Fähigkeiten im Tierreich, die dieses hierarchische Bild des Menschen in der Tierwelt zumindest relativieren. Im Folgenden findest du eine ganze Reihe von Dingen, in denen die anderen Tiere deutlich besser als Menschen sind, oder die sie zumindest ganz anders machen als Menschen und damit ebenfalls erfolgreich sind. 

Viele Tiere bewegen sich schneller als Menschen 

Der Mensch ist gemessen an seinen tierischen Mitbewohnern eine eher behäbige Spezies. Im Alltag sowieso, da kommt der Mensch nur sehr selten in Situationen, in denen er rennen muss, höchstens mal zum Bahnhof oder so. Im Spitzensport kommt der schnellste Mensch der Welt beim 100-Meter-Sprint auf eine Geschwindigkeit von 38 Stundenkilometern, beim 1000-Meter-Lauf liegt der Rekord bei 27 Kilometern pro Stunde. Beim Joggen laufen Menschen allerdings eher mit Geschwindigkeiten von acht bis zwölf Kilometern pro Stunde. Egal ob Vogel, Säugetier oder Reptil: Es finden sich zahlreiche Fähigkeiten im Tierreich, mit denen andere Tiere die Menschen bei jedem Rennen zur Schnecke machen. 

  • Schnell im Sturzflug und auf der Flucht: Als schnellstes Tier auf der Welt gilt der Wanderfalke. Wenn der Raubvogel bei der Jagd nach Beute in den Sturzflug übergeht, erreicht er Geschwindigkeiten von rund 340 Kilometern pro Stunde. Das ist etwas mehr als die zugelassene Höchstgeschwindigkeit der neuesten ICE-Generation. Seine Beute wird meist bereits durch den Aufprall getötet. Auch andere Raubvögel erreichen beeindruckende Geschwindigkeiten. Bei der Flucht können Vögel ebenfalls sehr schnell sein. Afrikanische Strauße können zwar nicht fliegen, erreichen dafür aber beim Laufen Geschwindigkeiten von bis zu 70 Stundenkilometern. Damit sind sie gut gerüstet, um Leoparden und anderen Fressfeinden galant zu entkommen. 
  • Meister im Sprint: Unter den Säugetieren erreicht der Gepard als schnellstes sein Ziel. Wenn ein Gepard Gazellen und andere Beutetiere jagt, kommt er auf eine Geschwindigkeit von bis zu 120 Stundenkilometern. Diese hält er jedoch nur einige hundert Meter lang aus, dann folgt erst einmal eine 20-minütige Erholungsphase. Auch Löwen glänzen beim Sprint und zeigen Schwäche auf der Langstrecke. Im Sprint erreichen sie eine Spitzengeschwindigkeit von etwa 80 Stundenkilometern. 
  • Laufen auf dem Wasser: Auf der Flucht vor Schlangen und anderen Fressfeinden kann der Helmbasilisk fünf bis zehn Meter weit auf der Oberfläche von stillen Gewässern laufen, ohne im Wasser zu versinken. Dabei erreicht er auf seinen Hinterbeinen eine Geschwindigkeit von zwölf Stundenkilometern. Darum wird das Reptil manchmal auch Jesusechse genannt. Es gibt aber auch deutlich schnellere Reptilien in der Tierwelt: Das schnellste Reptil an Land ist der Leguan mit 33 Stundenkilometern, im Wasser erreicht die Lederschildkröte 35 Stundenkilometer.  
  • Schnelle Schwimmer: Der gemeine Deutsche badet eher als zu schwimmen. Wenn Menschen aber schwimmen, dann erreichen Spitzensportler Geschwindigkeiten von sieben Kilometern pro Stunde, ungeübte Schwimmer gerade einmal die Hälfte. Unter den Säugetieren sind Delfine die schnellsten Säugetiere. Ihr stromlinienförmiger Körperbau ermöglicht ihnen Geschwindigkeiten von bis zu 90 Stundenkilometern. Zu den schnellsten Fischen gehören der Schwarze Marlin mit bis zu 130 Stundenkilometern und der Fächerfisch mit bis zu 110 Stundenkilometern. Selbst Thunfische sind recht flott unterwegs: Sie können die Strecke von 100 Metern in vier Sekunden zurücklegen. 

Der Wanderfalke ist im Sturzflug schneller als ein ICE und damit das schnellste Tier der Welt

Der Wanderfalke ist im Sturzflug bis zu 340 Stundenkilometer schnell | Renate Wefers @ Adobe Stock

Viele Tiere sehen besser als Menschen

Die visuelle Wahrnehmung der Welt ist bei vielen Arten ein entscheidender Schlüssel zum Überleben. Dabei sind die Fähigkeiten im Tierreich höchst unterschiedlich ausgeprägt: Während ein Maulwurf nur rudimentär zwischen hell und dunkel unterscheiden kann, können andere Tiere kilometerweit scharf sehen. Gemessen an anderen Tieren, nimmt der Mensch die Welt recht detailreich wahr. Dafür gibt es beim Gesichtssinn eine Reihe von anderen Fähigkeiten im Tierreich, die der Menschen so nicht hat.

  • Sehen über weite Reichweiten: Über eine beeindruckende Sehkraft verfügen viele Raubvögel wie Adler und Falken. Ihre Augen sind für optimale Bedingungen bei der Jagd entwickelt. Das ist auch nötig, denn sie müssen ihren Sturzflug beim Jagen sehr präzise planen, um erfolgreich zu sein. In einem Teil ihrer Augen vergrößert die Netzhaut so stark, dass sie auf Distanzen von 500 Metern eine kleine Maus am Boden scharf erkennen können. Zudem nehmen manche Raubvögel auch ultraviolettes Licht wahr, was es ihnen ermöglicht, Urinspuren von möglichen Beutetieren zu verfolgen. Das größte Auge aller Landtiere hat der Strauß. Mit den bis zu fünf Zentimeter breiten Augen können Strauße bis zu drei Kilometer weit sehen. 
  • 360-Grad-Rundumblick: Das Sichtfeld eines Menschen liegt bei 50 bis 60 Grad. Das ist weit entfernt vom theoretisch möglichen 360-Grad-Rundumblick. Einige Tiere sind so gebaut, dass sie die ganze Welt um sich herum sehen können. Das Chamäleon zum Beispiel kann seine seitlich sitzenden Augen in alle Richtungen rotieren lassen, ohne den Kopf dabei zu bewegen. Damit entfällt der tote Winkel, den wir Menschen beim Sehen haben. Ein weiterer Vorteil: Das Chamäleon kann mit seinen beiden Augen unabhängig voneinander auf zwei verschiedene Objekte fokussieren, also zum Beispiel vorne Beute fixieren und hinten nach möglichen Fressfeinden Ausschau halten. Das kann der Mensch nicht. Auch Pferde haben durch die seitlich am Kopf sitzenden Augen ein sehr weites Sichtfeld und können weit nach hinten schauen, ohne den Kopf drehen zu müssen.
  • Breitere Farbwahrnehmung: Das Farbsehen ist im Tierreich sehr unterschiedlich ausgeprägt und hängt stark davon ab, wie viele Farbrezeptoren die Tiere haben. Der Mensch hat drei Farbrezeptoren – rot, grün und blau – und kann damit mehrere Millionen Farben wahrnehmen. Damit ist die Farbwahrnehmung recht breit, die meisten Säugetieren haben nur zwei Farbrezeptoren. Dennoch gibt es Tiere, die mehr Farben sehen als Menschen. Vögel und viele Fisch- und Reptilienarten haben neben dem roten, grünen und blauen auch noch einen violetten Farbrezeptor. Hühner nehmen die Welt also in deutlich mehr Farben wahr als wir. Farben im Infrarotbereich und im ultravioletten Bereich liegen außerhalb unserer Sehkraft. Andere Tiere decken diese Bereiche ab: Schlangen und manche Fische können Farben im Infrarotbereich sehen, viele Insekten und Vögel können Farben im ultravioletten Bereich sehen.
  • Sehen in der Dunkelheit: Der Mensch sieht zwar siebenmal schärfer als Katzen, aber dafür können Katzen bestens im Dunkeln sehen. Die Pupillen von Katzen können sich stark erweitern, so dass auch in der Nacht viel Licht auf die Netzhaut gelangen kann. Zudem verfügen Katzenaugen über eine reflektierende Pigmentschicht, die das einfallende Licht durch Reflexion nochmals verstärkt. Mit diesen speziellen Augen brauchen Katzen im Vergleich zu uns Menschen nur ein Sechstel der Lichtmenge, um sehen zu können. Das macht gerade Wildkatzen zu talentierten Jägern in der Nacht, findet sich aber auch bei als ‘Haustier’ gehaltenen Katzen. Auch Eulen und Geckos können gut in der Nacht sehen, letztgenannte sogar in Farbe.

Einige Tiere können besser als Menschen sehen: Chamäleons haben einen 360-Grad-Rundumblick und können beide Augen unabhängig voneinander bewegen

Das Chamäleon hat mit seinen seitlich sitzenden Augen einen 360-Grad-Rundumblick | Stoyan Stoyanov @ Pixabay

Viele Tiere hören besser als Menschen

Kein bekanntes Lebewesen dieser Welt kann alle Geräusche hören. Der Gehörsinn erstreckt sich immer auf einen bestimmten Frequenzbereich, und die meisten Tiere können entweder tiefe oder hohe Töne gut verarbeiten. Der Mensch kann Töne zwischen 20 und 20.000 Hertz wahrnehmen. Das ermöglicht es ihm, etwa 400.000 Tönen voneinander zu unterscheiden. Besonders tiefe Töne im Infraschallbereich und besonders hohe Töne im Ultraschallbereich bleiben ihm hingegen verborgen. 

  • Hören in breiterem Frequenzbereich: Hunde und Katzen sind, wenn man von den stark domestizierten ‘Haustieren’ absieht, fleischfressende Spezies mit ausgeprägtem Jagdinstinkt. Daher können beide auch wesentlich besser hören als der Mensch. Hunde können viermal so weit hören wie Menschen und erfassen Frequenzen im Bereich von 15 bis 50.000 Hertz. Sie kommunizieren auch mit Tönen, die der Mensch nicht wahrnehmen kann. So ist das Pfeifen von Hunden für das menschliche Ohr nicht hörbar. Katzen hören Töne im sehr breiten Bereich zwischen 45 und 65.000 Hertz und können ihre Ohren zudem drehen. Stärker noch als für die ‘Hauskatze’ gilt das natürlich für Wildkatzen wie Löwen, Tiger, Pumas und Geparde, die auf der Jagd auf ein gutes Gehör angewiesen sind.
  • Hören im Ultraschallbereich: Fledermäuse nehmen Töne wahr, die der Mensch nicht hören kann. Sie haben im Verhältnis zur Körpergröße besonders überdimensionierte Ohren. Während der Mensch Töne bis zu 20.000 Hertz hören kann, reicht diese Skala bei Fledermäusen bis weit in den hochfrequenten Bereich. Der Gehörsinn dient den Fledermäusen nicht nur zur Kommunikation untereinander, sondern auch zur Ortung von Beute bei der Jagd und zur Navigation in der Dunkelheit: Denn Fledermäuse geben Geräusche im Ultraschallbereich ab. Diese prallen von den Wänden ab, kommen als Echo zurück und werden für die Navigation verarbeitet. Auch manche Beutetiere von Fledermäusen, wie zum Beispiel Motten, haben die Fähigkeit entwickelt, im Ultraschallbereich zu hören, damit sie die Schreie der Fledermäuse bei der Jagd hören und entkommen können.
  • Hören im Infraschallbereich: Tauben sind alles andere als taub, sie können besonders gut im niedrigen Frequenzbereich hören. Das ermöglicht es ihnen, die Vorboten von starken Regenfällen und Naturkatastrophen wie Erdbeben und Vulkanausbrüchen zu hören und sich davor in Sicherheit zu bringen. Wie die Fledermaus das Hören im Ultraschallbereich zur Navigation einsetzt, nutzen Tauben das Hören im Infraschallbereich in ähnlicher Weise. Dieser ausgezeichnete Orientierungssinn hat die Menschen auch auf die Idee gebracht, Tauben als Brieftauben einzusetzen. 
  • Dreidimensionales Hören: Auch Eulen haben ein hervorragendes Hörvermögen. Die Schleiereule kann Geräusche wahrnehmen, die zehnmal leiser sind als das, was der Mensch gerade noch wahrnehmen kann. Dazu trägt maßgeblich der herzförmige Federkranz bei, den sie um den Kopf trägt. Er fängt sehr leise Geräusche wie eine Parabolantenne ein und verstärkt sie. Bei der Schleiereule liegt das linke Ohr etwas weiter oben als das rechte. Diese asymmetrische Anordnung ermöglicht es dem nachtaktiven Tier, im Flug dreidimensional zu hören und selbst in absoluter Dunkelheit die Entfernung zur Beute präzise einzuschätzen.  

Schleiereulen haben eine besondere Fähigkeit: Sie können dreidimensional hören

Die Schleiereule hat die Fähigkeit, dreidimensional zu hören | Simone Bäcker @ Pixabay

Viele Tiere riechen besser als Menschen

Der menschliche Geruchssinn ist vergleichsweise schwach ausgeprägt. Im Vergleich mit anderen Spezies kann der Mensch weder besonders weit entfernte Düfte wahrnehmen noch besonders viele Düfte voneinander unterscheiden. Wissenschaftler führen das darauf zurück, dass der Geruchssinn durch die Weiterentwicklung des Sehvermögens beim Menschen an Bedeutung verloren hat. In der Tierwelt spielt der Geruchssinn eine ungleich größere Rolle:  

  • Krankheiten riechen: Hunde nehmen die Welt am stärksten über den Geruchssinn wahr. Das Riechhirn macht bei Hunden rund zehn Prozent des gesamten Hirns aus, während das beim Menschen nur etwa ein Prozent ausmacht. Mit den 250 Millionen Riechzellen können Hunde Schwangerschaften ebenso riechen wie Krankheiten wie Krebs und Diabetes, auch wenn die Zuverlässigkeit dieser ‘Diagnosen’ umstritten ist. Auch Gefühlsumschwünge bei Menschen können Hunde über ihre Nase wahrnehmen. Immer wieder gibt es auch bei Katzen Geschichten darüber, dass sie über den Geruchssinn merken, wenn Menschen krank werden. Zum Beispiel gibt es den Bericht über eine Katze in einem Altersheim in Rhode Island, die den bevorstehenden Tod von vielen Patienten erkennen konnte. Verhaltensexperten erklären das damit, dass die Katze bei den bald sterbenden Patienten einen bestimmten Duftstoff wahrnimmt.  
  • Über weite Distanzen riechen: Einen noch besseren Geruchssinn haben Elefanten. Mit dem riesigen Rüssel können Elefanten riechen, atmen, trinken, tasten und greifen. Japanische Genforscher bescheinigen dem Afrikanischen Elefanten von allen Tieren den besten Geruchssinn. So können Elefanten Wasser, das Menschen häufig geruchlos erscheint, über viele Kilometer hinweg riechen. Gerade bei Paarungsritualen können Tiere oft über weite Distanzen riechen: Die Schmetterlingsart Nachtpfauenauge kann Duftmoleküle von möglichen Paarungspartnern auf eine Entfernung von elf Kilometern wittern. 
  • Mit der Nase navigieren: Viele Tiere nutzen ihre Nase zum Aufspüren von Beute oder zum Navigieren. Das gilt nicht nur für Landtiere, auch Wale, Haie und Lachse können riechen. Lachse schwimmen in jungem Alter vom Fluss ins Meer, kehren aber im Erwachsenenalter in ihren Heimatfluss zurück. Den Weg dorthin weist ihnen ihr Geruchssinn.  

Viele Tiere können besser riechen als Menschen: Elefanten können über Kilometer hinweg Wasser riechen

Der Afrikanische Elefant kann kilometerweit entferntes Wasser riechen | Photocech @ Adobe Stock

Tiere kommunizieren anders als Menschen

Niemand mit klarem Verstand wird der Spezies Mensch absprechen, dass sie ein elaboriertes System der Kommunikation mit Sprache entwickelt hat, das es in dieser Form im Tierreich nicht gibt. Dennoch gibt es unzählige Studien dazu, dass Tiere in der Lage sind, menschliche Wörter zu verstehen und voneinander zu unterscheiden. Das gilt ganz sicher nicht für alle Arten, aber in gewissem Maß für Primaten, Hunde und Papageien. Das heißt jedoch nicht, dass es ansonsten keine kognitive Fähigkeiten im Tierreich gibt. Tiere haben ganz andere Formen der Kommunikation entwickelt, die der Mensch erst ganz allmählich zu verstehen beginnt und die sich ganz häufig seiner Wahrnehmung entziehen. 

  • Kommunizieren in uns fremden Tonhöhen: Häufig versteht der Mensch schon deshalb nicht, was die Tiere untereinander kommunizieren, weil er die entsprechenden Signale gar nicht wahrnehmen kann. Elefanten, Rinder und Insekten können besonders tiefe Geräusche im Infraschallbereich hören, Delfine und Igel auch besonders hohe Geräusche im Ultraschallbereich. Tiere, die in diesen Bereichen Töne wahrnehmen können, kommunizieren in der Regel auch im entsprechenden Stimmbereich. Ihre Kommunikation liegt also außerhalb unserer Wahrnehmungskraft. Elefanten können mit ihrem Brummen im sehr tiefen Bereich über Kilometer miteinander kommunizieren, ohne dass wir das hören. 
  • Kommunizieren im Wasser: Besonders faszinierend ist die Kommunikation von Säugetieren im Wasser. Delfine taufen sich selbst mit einer bestimmten Tonfolge, die ihnen als Namen dient. Dabei haben Wissenschaftler festgestellt, dass Delfine auch über Abwesende miteinander kommunizieren, also die ‘Namen’ von anderen Delfinen im ‘Gespräch’ verwenden. Buckelwale halten im Wasser mit Gesängen untereinander Kontakt, die viele Stunden lang dauern können und aus bis zu sechs Strophen bestehen. Die Gesänge sind so laut, dass sie noch Hunderte von Kilometern weiter zu hören sind. Der vorrangige Zweck der Gesänge ist es, Weibchen und Männchen über diese gigantischen Distanzen zur Paarung zueinander zu bringen.  
  • Kommunikation durch Tanzen: In jedem Bienenstock gibt es Kundschafterinnen, die nach geeigneten Futterquellen für das ganze Volk Ausschau halten. Den Weg erklären diese Kundschafterbienen den anderen Bienen nicht mit Lauten, sondern indem sie die wesentlichen Informationen vortanzen. Dabei ist der Code, mit dem die Bienen die Informationen zur Entfernung, zur Richtung und zu Ergiebigkeit der Nahrungsquelle kommunizieren, sehr komplex. Die anderen Bienen tanzen den Tanz mit und nehmen dabei den Geruch der anzusteuernden Blüte auf.

Bienen tanzen sich gegenseitig vor, wo geeignete Nahrung zu finden ist

Bienenvölker kommunizieren mithilfe von komplexen Tänzen | Rockket @ Adobe Stock

Die Stellung des Menschen in der Tierwelt

Die körperlichen Fähigkeiten des Menschen sind also eher mittelmäßig. Er kann von allem ein bisschen, aber bei keiner dieser Fähigkeiten ist er Klassenbester. Das Selbstbild von der ‘Krönung der Schöpfung’ lässt sich jedenfalls nicht aus den körperlichen Fähigkeiten des Menschen ableiten. Einzig unsere Fähigkeit, mit einer ausgefeilten Sprache zu kommunizieren, macht dem Mensch so schnell keiner nach und begründet eine gewisse Sonderstellung des Menschen in der Tierwelt. Es gibt zwar Tiere, die menschliche Wörter verstehen und auch imitieren können, aber das hat Grenzen. Dies sollte uns aber nicht blind dafür machen, dass viele Spezies ebenfalls komplexe Kommunikationssysteme entwickelt haben, die mehr ihren jeweiligen Bedürfnissen entsprechen.

Viele dieser Kommunikationssysteme beginnt der Mensch gerade erst zu verstehen, und vieles davon entzieht sich ganz seiner Wahrnehmung. Dass ein großer Teil der Sinneswahrnehmung und der Kommunikation anderer Spezies sich in Frequenzwellenbereichen abspielt, die der Mensch gar nicht verarbeiten kann, ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass der Mensch nicht der Nabel der Welt ist. Und auch sonst spricht vieles dafür, die klassisch-hierarchische Vorstellung von der Stellung des Menschen in der Tierwelt zu verwerfen – zugunsten einer Vorstellung, die stärker von einem gleichberechtigten Nebeneinander der Arten geprägt ist.

Infografik, die eine gleichberechtigte Tierwelt zeigt mit dem Menschen inmitten von vielen anderen Tieren

Mag sein, aber was hat das mit meinem Steak zu tun?

Die meisten oben genannten Tiere haben ihre Fähigkeiten vor allem für den täglichen Kampf ums Überleben entwickelt, sie dienen im Wesentlichen dem Angriff, der Verteidigung, der Tarnung oder der Flucht. Es wäre auch naiv, die Welt zu einem Ort zu verklären, in dem die Tiere jemals friedlich miteinander leben werden, ohne sich gegenseitig entsprechend ihrer Natur zu jagen und zu töten. Der Löwe, mit dem manche Menschen sich absurderweise gern vergleichen, um eine vegane Ernährung zum Hirngespinst zu erklären, kann nicht anders, als zu jagen und Fleisch zu essen. Das lässt sich auch schlecht mit ihm ausdiskutieren.

Beim Mensch ist das aber anders. Der Mensch ist von Natur aus nicht Fleischfresser sondern Allesfresser. Sein Verdauungsapparat ist so gebaut, dass er tierische Lebensmittel grundsätzlich verarbeiten kann, aber sich auch komplett pflanzlich ernähren kann. Es stimmt zwar, dass der Konsum von tierischen Produkten dem Menschen in der Evolution einen Vorteil beschert hat. Doch die These, dass das Essen von Fleisch in der Evolution unser Hirn hat wachsen lassen, hat damit nichts zu tun. Diese Aussage wird von keinen ernstzunehmenden Anthropologen mehr vertreten. Der Vorteil in der Evolution bestand vielmehr darin, dass Fleisch, Milch und Eier es dem Menschen früher ermöglicht haben, auch in kalten Jahreszeiten und in schwer zu bewirtschaftenden Regionen wie Gebirgen und Steppen zu siedeln.

Mit dem heutigen Entwicklungsstand der menschlichen Gesellschaften ist diese Notwendigkeit hinfällig. Was den Menschen am meisten von allen anderen Tieren unterscheidet, ist dass er sich in die Lage versetzt hat, aus dem Schema von Räuber und Beute auszubrechen. Der Mensch hat über die Jahrhunderte Technologien und Kulturtechniken entwickelt, die das Essen von tierischen Produkten für heute überflüssig machen. Dazu gehören das Kochen, das Einfrieren, das Konservieren, das Fermentieren – generell das Haltbarmachen von Lebensmitteln. Diese Entwicklung setzt sich in enormer Geschwindigkeit mit der Entwicklung von immer mehr Ersatzprodukten und von Technologien zur Kultivierung von künstlichem Fleisch fort.

Dass die Menschheit dennoch in jedem einzelnen Jahr viele Milliarden Tiere züchtet und schlachtet – zumal auf eine Weise, die mit natürlichen Nahrungsketten nichts mehr zu tun hat – ist nicht nur blanker Horror für die ‚Nutztiere‘, die dem zum Opfer fallen. Der steigende Bedarf nach immer mehr Weideland und Ackerfläche für Futtermittel bedeutet auch für viele der hier aufgeführten wild lebenden Tiere eine Bedrohung. Durch den Verlust von natürlichem Lebensraum drohen viele Arten und mit ihnen auch außergewöhnliche Fähigkeiten im Tierreich für immer auszusterben – viele davon, bevor wir Menschen sie überhaupt entdeckt haben.

 


Ausgewählte Quellen:

 

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