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10 Gründe vegan zu leben

Tierschutz, Umweltschutz, Gesundheit – zehn gute Gründe, vegan zu leben

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14. März 2021

Tierschutz und Tierrechte sind starke Gründe für den Umstieg auf eine pflanzliche Ernährung und für eine vegane Lebensweise, aber es sind bei Weitem nicht die einzigen. Das Eintreten für Tierrechte ist immer auch das Eintreten für Menschenrechte, denn die Tierhaltung ist auch für zahlreiche andere Probleme mitverantwortlich: das beschleunigte Artensterben, die Verschärfung der Klimakrise, den Welthunger, das Auftreten neuer Infektionskrankheiten etc. All diese Dinge berühren auch nicht nur das Leben der Tiere, sondern auch die Lebensqualität von uns Menschen.

Nachfolgend findest du zehn gute Gründe für eine vegane Lebensweise. Einen Anspruch auf Vollständigkeit hat diese Aufzählung nicht. Wenn du ein wenig nachdenkst, fallen dir sicher noch weitere Argumente ein – angefangen bei religiösen Gründen bis hin zu der Tatsache, dass Menschen, die keine toten Tiere verdauen, in der Regel einen besseren Körpergeruch haben. 

Infografik zu zehn Gründen für eine vegane Lebensweise 

1. Tierschutz und Tierrechte als Gründe für eine vegane Lebensweise 

Das naheliegendste Argument für eine vegane Lebensweise ist die Auffassung, dass auch nicht-menschliche Tiere das Recht haben sollten, ein Leben frei von Ausbeutung zu führen. Konsequent umgesetzt hieße das, dass wir Menschen aufhören, Tiere für die Herstellung von Lebensmitteln, Kleidung und Kosmetik, für medizinische und kosmetische Experimente sowie zu Unterhaltungszwecken zu unterdrücken.  

Die meisten Menschen sagen zwar, dass sie Tiere lieben und Tierquälerei verabscheuen. Doch der Begriff ‘Tierquäler’ ist im allgemeinen Sprachgebrauch reserviert für Menschen, die Frösche aufblasen, auf Katzen schießen oder ihren Hund im Sommer im sich aufheizenden Auto zurücklassen. Die industrielle Massentierhaltung mit ihren abenteuerlichen Haltungsbedingungen wird in der Regel nicht Tierquälerei genannt, obwohl in dem System tagtäglich Millionen von Tieren gequält, verstümmelt und getötet werden. 

Ein durchschnittlicher Mensch in Deutschland isst pro Jahr mehr als 60 Kilogramm Fleisch und verantwortet so im Laufe seines Lebens das Töten von mehr als Eintausend empfindungsfähigen Lebewesen. Weltweit werden jedes Jahr 60 bis 70 Milliarden Landtiere und Billionen von Meereslebewesen für den Verzehr getötet. Allein in Deutschland werden in jedem Jahr rund 800 Millionen Landtiere geschlachtet. Tiere werden nicht nur für die Herstellung von Fleisch- und Wurstwaren getötet, sondern auch für Milchprodukte, Eier und Honig sowie für Kleidung, Kosmetika und andere Produkte und Dienstleistungen.  

Viele Menschen, die Fleisch essen, empfinden Fotos und Videoaufnahmen aus der Massentierhaltung als unangenehm und sprechen sich für Veränderungen im System der Tierhaltung aus. Doch die Vorstellung, es sei ‘artgerechte Haltung’, wenn man nur die konventionelle Massentierhaltung durch eine Biotierhaltung mit etwas mehr Platz und etwas weniger Medikamenten ersetzt, ist Augenwischerei. Die biologische Haltung mindert zwar das Leid der Tiere etwas, doch das bedeutet nicht, dass die Tiere entsprechend ihrer Bedürfnisse leben und nebenbei noch etwas zum Wohl der Menschen tun. Auch in der Biotierhaltung werden die Tiere gewaltsam aus dem Leben gerissen, lange bevor sie das Erwachsenenalter erreicht haben. Solange wie es noch kein künstlich hergestelltes tierisches Protein gibt, ist der einzige Weg aus der Ausbeutung der Tiere der Umstieg auf eine pflanzliche Ernährung.

Schweine im Stall - das häufigste Argument für Veganismus ist Tierschutz

Allein in Deutschland werden pro Jahr rund 55 Millionen Schweine geschlachtet | Countrypixel @ Adobe Stock

2. Der Erhalt der Artenvielfalt als Grund für ein veganes Leben   

Wie wir mit anderen Spezies umgehen, ist ganz unmittelbar mit dem Verlust von biologischer Vielfalt verbunden. Dass immer wieder Spezies im Zuge der Evolution aussterben und an anderer Stelle neue Spezies entstehen, ist an sich nicht ungewöhnlich. Doch was wir zurzeit erleben, ist ein menschengemachtes beschleunigtes Artensterben.

Der Biodiversitätsrat der Vereinten Nationen geht davon aus, dass derzeit jede achte Tier- und Pflanzenart vom Aussterben bedroht ist, also rund eine Million Arten. Frühere Studien schätzen, dass pro Jahr 11.000 bis 58.000 Tierarten aussterben, im ungünstigsten Fall also eine Art alle zehn Minuten. Nach Einschätzungen des Weltbiodiversitätsrates ist das Ausmaß des Artensterbens zurzeit zehn- bis einhundertmal stärker als im Durchschnitt der letzten zehn Millionen Jahre.

Zu den größten Ursachen des beschleunigten Artensterbens gehören die Massentierhaltung und die damit verbundene Produktion von Futtermitteln in Monokulturen, für die Unmengen von Land weichen müssen. Die Umwandlung von natürlichem Lebensraum zu Ackerflächen für die Massentierhaltung beraubt Tiger, Elefanten usw. ihres natürlichen Lebensraums und führt dazu, dass viele dieser Tiere vom Aussterben bedroht sind. Frei lebende Tiere machen heute nur noch einen Bruchteil der Biomasse aller Landtiere aus, die übergroße Mehrheit der Biomasse entfällt auf ein paar von den Menschen gehaltene Arten.

Besonders gravierend wirkt sich das menschliche Handeln auf den Zustand der Weltmeere und die darin beheimateten Lebewesen aus. Die Welternährungsorganisation FAO rechnet vor, dass 33 Prozent der weltweiten Fischbestände bereits überfischt sind und weitere 60 Prozent der Bestände maximal ausgeschöpft sind. Hier ist der Verlust der Artenvielfalt besonders erschreckend. Mit fragwürdigen Methoden wie dem Fischen mit Grundschleppnetzen werden ganze Ökosysteme irreversibel ausgelöscht. 

Sumatratiger als Illustration für das Problem des Artensterbens

Es gibt nur noch eine dreistellige Zahl von Sumatratigern auf der Welt | Vladislav @ Adobe Stock

3. Die Bewahrung der Regenwälder als Grund für den Veganismus  

Die Bilder von brennenden Regenwäldern machen viele Menschen betroffen. Die Zerstörung der Regenwälder wirkt wie ein Brandbeschleuniger für die Erderwärmung und beraubt viele Arten ihres natürlichen Lebensraums. Die Geschwindigkeit, mit der die Regenwälder von der Erdoberfläche getilgt werden, ist schwindelerregend: In jeder einzelnen Minute wird im Durchschnitt eine Fläche von 32 Fußballfeldern gerodet – vor allem in Brasilien, Argentinien und anderen lateinamerikanischen Ländern. An jedem einzelnen Tag wird so eine Fläche Tropenwald vernichtet, die in etwa der Größe der Stadt Dresden entspricht. 

Dabei ist der Hauptgrund für das Brennen der Regenwälder unser Hunger nach Fleisch. Rund zwei Drittel des brandgerodeten Landes werden zu Ackerflächen umgewandelt, auf denen in Monokulturen Futtermittel für die Massentierhaltung angebaut werden. Dabei handelt es sich ganz häufig um genmanipulierte Sojabohnen, aus denen dann proteinreiches Sojaschrot für die Tierhaltung hergestellt wird. Ein Teil der Fläche dient zudem als Weidefläche für Rinder. 

In Europa ist viel Empörung über die Brandrodungen zu vernehmen, doch bei Licht betrachtet ist das ziemlich heuchlerisch. Denn unsere heimische Tierindustrie ist recht eng damit verwoben. Das Kraftfutter, das in Lateinamerika angebaut wird, landet zu einem großen Teil in den Trögen der ‘Nutztiere’ in Europa sowie in den Fischgehegen der Aquakulturen. Allein die Fläche, auf der in Lateinamerika Soja für den Export nach Deutschland angebaut wird, ist so groß wie das Bundesland Hessen. Auch die in Lateinamerika gezüchteten Rinder finden in Deutschland und seinen europäischen Nachbarn dankbare Abnehmer.

Es ist also nicht so, dass der Fleischkonsum in Mitteleuropa nichts mit den Brandrodungen des Bolsonaro-Regimes zu tun hätte. Der wirksamste Beitrag für den Erhalt der Regenwälder sind nicht fragwürdige PR-Stunts wie Biertrinken-für-den-Regenwald mit Krombacher, sondern der Umstieg auf eine pflanzliche Ernährung. 

Brennende Tropenwälder als Argument für den Veganismus

Die Regenwälder brennen vor allem für die Massentierhaltung | Toa 555 @ Adobe Stock

4. Die Bekämpfung der Klimakrise als Grund, vegan zu leben  

Die größte Quelle für erderwärmende Treibhausgase ist die industrielle Landwirtschaft. Die Angaben zum Anteil der Landwirtschaft weichen stark voneinander ab und reichen von 14 Prozent bis 51 Prozent. Grund für die große Spannbreite ist, dass unterschiedliche Faktoren mit einbezogen werden. Der hohe Wert von 51 Prozent rechnet alle indirekt mit der Landwirtschaft verbundenen Faktoren mit ein, also zum Beispiel das CO₂, das durch Brandrodungen für Ackerflächen freigesetzt wird, und dass die gerodeten Bäume künftig kein CO₂ mehr speichern können. Niedrigere Schätzungen beziehen nur die direkten Emissionen der Tierindustrie ein.

In den deutschen Agrarbetrieben werden rund 64 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente pro Jahr emittiert. Das entspricht in etwa dem Treibhausgasausstoß der verarbeitenden Industrie. Drei Viertel der Emissionen in der Landwirtschaft entfallen auf die Produktion von Tierprodukten. Bei der Produktion von pflanzlichen Produkten entsteht nur ein Viertel der Emissionen, obwohl die Menschen den Großteil ihres Kalorienbedarfs mit pflanzlicher Kost decken.

Den größten Anteil an den Emissionen der Landwirtschaft hat die Rindfleisch- und Milchproduktion, und das liegt vor allem am Methan. Das Gas ist 25-mal schädlicher als CO₂ und bleibt 14 Jahre lang in der Erdatmosphäre. Eine einzige Kuh stößt pro Jahr mehr als 100 Kilogramm Methan aus. Bei 11,6 Millionen Rindern in Deutschland kommt da eine ganze Menge zusammen. Auch Lachgas trägt zur Erwärmung der Erde bei und ist sogar 300-mal schädlicher als CO₂. Lachgas wird durch das Ausbringen von stickstoffhaltigen Düngemitteln freigesetzt.  

Klimaschädlich ist nicht nur Fleischessen, sondern vor allem auch der Verzehr von Milchprodukten. Bei der Herstellung von einem Kilogramm Butter entstehen noch mehr Treibhausgase als bei der Herstellung von einem Kilogramm Rindfleisch. Der Umstieg auf eine pflanzliche Ernährung hat den größtmöglichen Effekt auf den eigenen ökologischen Fußabdruck. Laut einer Berechnung der Universität Oxford kann ein in Deutschland lebender Mensch dadurch rund ein Fünftel seiner klimaschädlichen Emissionen reduzieren.  

Ausatmende Kühe im Stall - Tierhaltung verschärft die Klimakrise

Methanemissionen sind 25-mal klimaschädlicher als CO₂-Emissionen | Karaboux @ Adobe Stock

5. Der Schutz von Böden und Trinkwasser als Grund, vegan zu leben  

Die industrielle Tierhaltung produziert Unmengen an Fäkalien. Eine Rindermastanlage mit 2.500 Tieren produziert mehr Exkremente als eine mittelgroße Großstadt mit 400.000 Einwohnern. Die Fäkalien werden in der Regel als Gülle auf den Feldern ausgebracht. 

Die Tierindustrie verteidigt dies gern mit dem Argument, das Entstehen von Fäkalien und das Ausbringen von Gülle als Dünger sei ein natürlicher Kreislauf. Das mag bei einer traditionellen regionalen Landwirtschaft mit Tierhaltung noch zutreffen, ganz sicher aber nicht für die industrielle Massentierhaltung. Denn die Böden können die Unmengen an Fäkalien, die das System der Massentierhaltung produziert, gar nicht aufnehmen. 

Da der Boden die stickstoffhaltigen Stoffe in den Fäkalien nicht hinreichend aufnehmen kann, sickern Teile davon ins Grundwasser. Einige der Stoffe, wie etwa Nitrate und Phosphate, können für den Menschen gesundheitsschädlich sein. Zudem gelangen mit den Exkrementen auch Antibiotika, Hormone und Pestizide in das Ökosystem. Das verschmutzt den Boden, die im Boden wachsenden Pflanzen und das Grundwasser. 

Diese Praxis führt das zum aberwitzigen Phänomen des ‘Gülletourismus’: Ein Teil der Gülle wird über hunderte von Kilometern quer durch Europa transportiert und in anderen Regionen ausgebracht. Das Argument des natürlichen Kreislaufs wird durch den arbeitsteiligen Prozess völlig ad absurdum geführt: Stickstoff gelangt in Brasilien durch Düngemittel in eine Sojapflanze, landet dann als Tierfutter in einem niederländischen Schweinemastbetrieb und wird schließlich in Form von Gülle nach Deutschland transportiert, um hier im Grundwasser zu landen. 

Gülle wird auf Feld ausgebracht - der Schutz der Böden als Grund, vegan zu leben

Stickstoff, Pestizide und Antibiotika geraten durch Gülle in das Grundwasser | Andre @ Adobe Stock

6. Weniger Flächenbedarf als Grund, auf eine vegane Ernährung umzusteigen  

Eng mit dem Artensterben und mit der Rodung der Regenwälder verbunden ist der Mangel an fruchtbaren Landflächen. Die industrielle Landwirtschaft beansprucht auf der ganzen Welt riesige Flächen. Der größte Teil davon entfällt auf die Herstellung von Tierprodukten, insbesondere für den Anbau von Futtermitteln und für die Nutzung als Weideland. 

Laut einer Studie der Oxford Universität beansprucht die Herstellung von tierischen Lebensmitteln 83 Prozent aller landwirtschaftlichen Nutzflächen. Dabei machen die so gewonnenen tierischen Produkte gerade einmal 18 Prozent der von uns aufgenommenen Kalorien aus. Umgekehrt werden die pflanzlichen Lebensmittel auf 17 Prozent der Nutzflächen angebaut, stehen aber für 82 Prozent unserer Energiezufuhr.

Aus den Berechnungen der Wissenschaftler geht hervor, dass sich der Flächenbedarf durch eine rein pflanzliche Ernährung um 75 Prozent reduzieren ließe, ohne dass ein Mensch weniger zu essen bekommen würde. Allerdings ließen sich nicht alle frei werdenden Flächen nutzen, um pflanzliche Nahrungsmittel anzubauen, denn auf vielen landwirtschaftlichen Flächen, die heute als Weideland genutzt werden, ist Ackerbau nicht ohne Weiteres möglich.

Die Fläche, die es braucht, um einen Veganer ein Jahr lang zu ernähren, ist etwa 675 Quadratmeter groß, also etwa ein Zehntel eines Fußballfeldes. Für die Ernährung eines Vegetariers ist bereits dreimal so viel Land nötig. Um einen Fleischesser mit dem Verbrauch von westlichen Industrieländern zu ernähren, braucht es eine Fläche, die 18-mal größer ist als bei dem Veganer.

Steigender Landbedarf durch die Tierhaltung als Argument für ein veganes Leben

Weltweit wird auf riesigen Flächen Soja als Tierfutter angebaut – wie hier in Brasilien | Alf Ribeiro @ Adobe Stock

7. Die Reduktion des Wasserverbrauchs als Grund für den Veganismus   

Wasser wird mehr und mehr zu einem knappen Gut, auch wenn wir das in Mitteleuropa noch nicht wirklich zu spüren bekommen. Wasserknappheit führt in den betroffenen Gebieten in Afrika und Asien zu Ernteausfällen und verschärft in der Folge den Welthunger. 

Ein großer Teil des Wasserverbrauchs entfällt auf die Herstellung von tierischen Lebensmitteln. Wasser wird unter anderem für den Anbau von Futtermitteln, die Tränken der Tiere und für den Betrieb von Tierfabriken und Schlachthäusern benötigt. Die Herstellung von einem Kilogramm Rindfleisch erfordert mehr als 15.000 Liter Wasser. Davon kann ein Mensch wahlweise 100 Vollbäder nehmen oder ein Jahr lang duschen. Für die Herstellung von einem Liter Kuhmilch müssen mehr als 1.000 Liter Wasser aufgewandt werden. 

Bei pflanzlichen Lebensmitteln fällt die Wasserbilanz deutlich besser aus: Für die Herstellung eines Kilogramms Weizen werden rund 1.500 Liter Wasser benötigt, für ein Kilogramm Kartoffeln etwa 250 Liter Wasser. Für die Herstellung von proteinreicher Pflanzenkost muss ebenfalls weniger Wasser aufgewendet werden als für tierische Proteine – für ein Kilogramm Linsen sind es 2.700 Liter, für Sojabohnen noch einmal deutlich weniger. Durch die Umstellung auf eine pflanzliche Ernährung ließe sich unser Wasserverbrauch also deutlich reduzieren. 

Kind an Wasserhahn - Wassermangel als Grund für eine vegane Lebensweise

Tierische Lebensmittel verschärfen das Problem der Wasserknappheit | Africa Studio @ Adobe Stock

8. Die Bekämpfung des Welthungers als Grund, vegan zu leben   

Knapp 8 Milliarden Menschen leben derzeit auf der Erde und mehr als 800 Millionen Menschen davon müssen täglich hungern. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen geht davon aus, dass in jedem Jahr rund 3 Millionen Kinder unter fünf Jahren an den Folgen von Hunger und Unterernährung sterben. In erster Linie ist Welthunger ein Problem der globalen Verteilungsgerechtigkeit, denn während 800 Millionen Menschen in armen Ländern hungern, sind noch mehr Menschen in den Industriestaaten übergewichtig.

Aber auch die Frage, ob wir unseren Proteinbedarf mit tierischen oder pflanzlichen Lebensmitteln decken, entscheidet darüber, ob wir dieses in jeder Weise beschämende Problem lösen können. In vielen Ländern, in denen Menschen hungern, werden landwirtschaftliche Flächen für den Anbau von Tierfutter genutzt, um es dann in die westlichen Industrieländer zu exportieren. Rund 50 Prozent der globalen Weizenernte werden nicht verwendet, um Menschen damit zu ernähren, sondern landen in den Trögen der Massentierhaltung. Bei Soja gehen sogar 70 bis 90 Prozent der globalen Ernte in die Tierhaltung.

Dieser Umweg der Energie aus Pflanzen über die ‘Veredelung’ zu Fleisch und anderen Tierprodukten ist nicht nur ungerecht, sondern auch in höchstem Maße ineffizient. Denn auf dem Weg von der Pflanze bis in den menschlichen Organismus gehen bis zu 90 Prozent der Energie verloren. Der größte Teil der von den Tieren aufgenommenen Kalorien wird nicht in tierisches Eiweiß umgewandelt, sondern dient der Aufrechterhaltung der Körperfunktionen. 

Eigentlich gäbe es genug Lebensmittel für alle Menschen auf der Welt. Würde die Menschheit die heutigen Ackerflächen nicht nutzen, um Tiere mit Soja, Weizen und Mais zu mästen, sondern um Menschen direkt mit pflanzlichen Lebensmitteln zu ernähren, könnte ohne Weiteres genug Essen für 10 bis 12 Milliarden Menschen produziert werden.   

Hungerndes Kind in Afrika - die Bekämpfung des Welthungers als Grund, vegan zu leben

Durch den Ersatz von tierischen Proteinen durch pflanzliche Proteine könnte der Welthunger besiegt werden | Panitan @ Adobe Stock

9. Deine Gesundheit als Grund, auf eine vegane Ernährung umzusteigen   

Viele Menschen entscheiden sich nicht aus ethischen oder ökologischen Gründen für eine vegane Ernährung, sondern weil sie sich davon gesundheitliche Vorteile versprechen. Ob eine vegane Ernährung gesünder als Mischkost ist, wird sehr kontrovers und manchmal auch recht emotional diskutiert. Wie bei Ernährungsthemen im Allgemeinen, finden sich für jeden möglichen Standpunkt Studien und Gegenstudien.  

Weitgehend unbestritten ist, dass der Verzehr von viel rotem Fleisch eher problematisch für den Körper ist. Ebenfalls unstrittig ist die Feststellung, dass ein Übermaß von cholesterinreichen Produkten tierischer Herkunft der Gesundheit abträglich ist. So stellen viele Studien einen Zusammenhang zwischen dem übermäßigen Konsum von Tierprodukten und Diabetes, Herz-Kreislauf-Krankheiten, Autoimmunerkrankungen sowie bestimmten Krebsarten her.  

Die lange Zeit dominante Sichtweise, dass eine vegane Ernährung ungesund sei, wird inzwischen nur noch von einer Minderheit der Experten vertreten. Ernährungswissenschaftler weisen zwar darauf hin, dass es kritische Vitamine und Nährstoffe gibt, sagen aber auch, dass die meisten davon durch eine vollwertige pflanzliche Ernährung abgedeckt werden können. Ein Sonderfall ist Vitamin B₁₂, das in pflanzlichen Lebensmitteln kaum vorkommt und durch Supplements zugeführt werden sollte. Als Argument für das Essen von Tieren taugt dies aber nicht, denn auch sogenannte ‘Nutztiere’ bekommen ihr B₁₂ häufig über den Umweg von Zusätzen zum Tierfutter.

Manche vertreten auch die Position, eine vegane Ernährung sei pauschal gesünder als jede Form von Mischkost. Es gibt aber gar keinen Grund, sich so weit aus dem Fenster hinauszulehnen. Zusammen mit den ethischen und ökologischen Gründen betrachtet, ist es gar nicht entscheidend, ob eine vollwertige vegane Ernährung gesünder ist als eine Ernährung, die den maßvollen Konsum von Tierprodukten umfasst. Entscheidend ist doch vielmehr, dass es möglich ist, sich ohne Tierleid gesund zu ernähren, wenn man ein paar Dinge beachtet. Das sollte als Grund doch eigentlich ausreichen.

Frau mit Müslischale - ausgewogene vegane Ernährung ist gesund

Eine vollwertige pflanzliche Ernährung birgt keine gesundheitlichen Nachteile | Duran Photography @ Adobe Stock

10. Unser aller Gesundheit als Grund, vegan zu leben  

Der Umstieg auf eine vegane Lebensweise ist nicht nur gut für die eigene Gesundheit, sondern reduziert auch die Risiken, die von Viruserkrankungen und multiresistenten Keimen auf die öffentliche Gesundheit ausgehen. Bekanntermaßen ist Covid-19 keine abstrakte Naturkatastrophe, die unvorhergesehen über die Menschheit hereingebrochen ist.

Covid-19 ist wie viele andere Viruserkrankungen der letzten Jahrzehnte eine Zoonose – also eine Krankheit, die die Artenschranke übersprungen hat und von anderen Tieren auf den Menschen übertragen wurde. Zu den Zoonosen gehören auch Ebola, Aids und die Spanische Gruppe. Inzwischen stammen drei von vier neuen Infektionskrankheiten aus dem Tierreich. Die zuständigen UN-Organisationen warnen vor einer weiteren Zunahme und weisen darauf hin, dass diese Gefahr menschengemacht ist. Denn das Entstehen von neuen Zoonosen wird begünstigt durch Massentierhaltung, Klimakrise, Waldrodungen und Wildtierhandel.    

Eine weitere Gefährdung der öffentlichen Gesundheit sind multiresistente Keime. Antibiotika können ein wirksames Hilfsmittel gegen bakterielle Infektionskrankheiten sein und in der Humanmedizin viele Leben retten. Doch es hat einen Grund, dass Antibiotika in der Apotheke nur auf Verschreibung zu bekommen sind. Denn sie können ihre Wirkung verlieren, wenn sie falsch und im Übermaß eingesetzt werden. 

In der Massentierhaltung passiert genau das. Denn aufgrund der Enge in den Ställen ist die Gefahr der Ausbreitung von Infektionskrankheiten dort besonders groß. Um dem Risiko vorzubeugen, mischt die Tierindustrie in großem Umfang Antibiotika ins Tierfutter – nicht zielgerichtet an kranke Tiere, sondern präventiv an die gesamte Herde. Der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung ist zwar in den letzten Jahren spürbar zurückgegangen, doch noch immer landet genau so viel davon in der Tierhaltung wie in der Humanmedizin.  

Veterinärin in Kuhstall - Tierhaltung bedroht die öffentliche Gesundheit

Antibiotika werden häufig nicht bei Bedarf sondern präventiv verabreicht | Pressmaster @ Adobe Stock

Tierschutz und Umweltschutz sind die meistgenannten Gründe   

Welche Gründe bei jeder und jedem Einzelnen jeweils ausschlaggebend sind, dürfte höchst unterschiedlich sein. Eine Umfrage des Lebensmittelherstellers Veganz aus dem Oktober 2019 unter vegan lebenden Frauen und Männern in Europa erlaubt den Rückschluss, dass es in erster Linie ethische und umweltbezogene Aspekte sind, die Menschen dazu bewegen.  

Der Tierschutz ist also für die Mehrheit noch immer der vorwiegende Grund für einen Umstieg auf eine vegane Lebensweise. Aber selbst für jene Menschen, die mit der ganzen Idee von Tierrechten nichts anfangen können und sich zu Fragen wie ‘Wo bleibt der Mensch?’ hinreißen lassen, bleibt eine ganze Reihe von guten Gründen dafür, die eigene Lebensweise einmal grundsätzlich zu überdenken.

Infografik zu häufigsten Gründen für eine vegane Ernährung


Ausgewählte Quellen:

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